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Ganzheitliches Lernen und persönliche Motivation

Wir wissen es: echte Motivation ist die Energie, die jeden Lernprozess in Gang hält. Aber echte Motivation hat nur bedingt mit vernünftigen Argumenten zu tun. Uns gut zuzureden, dass wir etwas unbedingt müssen und folglich müssen wir es auch wollen, ist vielleicht für eine Weile wirksam, aber wir werden früher oder später unter diesem (selbst)auferlegten Zwang leiden, auch wenn wir es uns nicht immer eingestehen… Wir können uns nicht manipulieren - wir brauchen eine Motivation, die konstruktive Gedanken mit positiven Emotionen verbindet und eine gewisse Synergie zwischen ihnen herstellt.

Beide Gehirnhälften (sehr vereinfacht gesagt: die eine rational und die andere intuitiv und emotional) wollen gemeinsam lernen. Wenn wir nur die eine beanspruchen, fängt nach einer Weile die andere an zu streiken oder schläft ein. Wir brauchen deshalb Lerntechniken, die nicht nur rationale Gedanken, sondern auch Emotionen und Vorstellungskraft aktivieren. Aber das reicht leider noch nicht aus: wenn wir eine unbewusste negative Einstellung haben, werden wir unterschwellig mit inneren Kämpfen zu tun haben, die Energie verschwenden.

Andererseits haben wir manchmal eine gute anfängliche Motivation, die aus Freude am Lernen und Neugier besteht, die aber auf eine harte Probe gestellt wird, wenn konkrete Resultate auf sich warten lassen. In diesem Falle ist vielleicht unsere Lernstrategie nicht optimal für uns. Das kann daran liegen, dass wir uns mit dem Thema: "Wie lerne ich am besten?" nie auseinandergesetzt haben. Wenn wir also die Lernstrategie verändern, kann die Krise überwunden werden. Das grössere Problem bleibt eine schwache oder falsche Motivation. Die beste (kognitiv-emotionale) Lernmethode wird nur bedingt helfen, wenn wir unbewusst den Lernstoff hassen oder wenn uns diese Sprache völlig gleichgültig ist und wir denken: «Hauptsache ich bringe das (sowieso mühsame) Lernen hinter mich und kann mich in der Fremdsprache durchschlagen. Wer braucht mehr?»

Auch Leistungswille ist keine sehr wirksame Strategie. Wer kennt sie nicht, die netten Videos auf YouTube, wo jemand uns vorführt, wie er in drei (oder vielleicht neun...) Stunden gelernt hat Chinesisch zu sprechen, indem er die hundert wichtigsten Wörter Mandarins gelernt und ein Paar Grundstrukturen verschlungen hat? Oder die Versprechen der Anhänger der "full immersion", die uns weismachen wollen, dass es reicht, Einheimische zu imitieren und einfach loszureden, loszureden, loszureden? Es ist ein Spiel, das durchaus seinen Reiz hat, aber auch Leistungssportler verpassen etwas wenn sie glauben, dass es nur darum geht, schneller und effizienter zu sein und den eigenen Selbstwert nur an den eigenen Leistungen zu messen. Mit dieser Mentalität mögen wir das, was wir lernen nur, weil wir uns dadurch «beweisen» können, wie «gut» wir sind. Mit anderen Worten: auch ein Egotrip ist keine echte Motivation, die uns tragen kann.

Weit interessanter ist es, sich zu fragen: Wie will ich lernen? Wie will ich mit dem Lernen umgehen? Welche Beziehung habe ich wirklich zu dieser Fremdsprache? Da wir davon ausgehen müssen, dass es mehr als neun Stunden dauern wird bis wir uns in der Fremdsprache orientieren und ausdrücken können, müssen wir auch einsehen, dass wir Zeit mit dieser Sprache verbringen werden. Somit geht es auch um eine Art «Beziehungsarbeit». Wir brauchen eine möglichst gute Beziehung zu dieser Sprache; keine Beziehung, die auf Effizienz und beste Resultate in kürzester Zeit basiert, und sicherlich keine Beziehung, die aus Zähneknirschen und Opferbereitschaft besteht.

Es fängt mit ganz einfachen Fragen an: Was liebe ich an dieser Sprache? Was mag ich nicht? Mag ich die Menschen, die diese Sprache als Muttersprache sprechen, oder nicht? Was kann ich tun, damit diese Sprache langsam ein Teil von mir wird? Wie kann ich eine ganz persönliche Beziehung zu dieser Sprache entwickeln?

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Sorten von Motivation: die extrinsische (durch äusserliche Faktoren bestimmt) und die intrinsische (von inneren Faktoren abhängig). Faktoren, die zur extrinsischen Motivation gehören, sind: Aussicht auf konkrete oder ideelle Vorteile und Belohnungen, die von aussen kommen; der Wunsch, Erwartungen zu entsprechen, das eigene Selbstbild zu verbessern und je nachdem auch ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl zu erlangen. Mit intrinsischer Motivation bewältigen wir hingegen Aufgaben um ihrer selbst willen. Wir mögen sie, wir brauchen keine Rechtfertigung oder Belohnung von aussen, um uns damit zu beschäftigen. Eine andere Form von intrinsischer Motivation ist die Absicht, durch das Gelernte die Möglichkeit zu erlangen, einen persönlichen Beitrag zu einer Sache zu leisten oder dadurch etwas bewirken zu können, das uns am Herzen liegt.

Die Welt, in der intrinsische Motivation das einzige ist was zählt, ist leider eine Traumwelt. Erwachsene brauchen meistens sowohl extrinsische wie auch intrinsische Motivation. Aber wir müssen es einsehen: wenn die Motivation ausschliesslich extrinsisch ist, wird es irgendwann ein paar Probleme geben…

Manchmal lernen wir eine Sprache, weil wir das Land oder die Menschen mögen, die diese Sprache sprechen. Wir kennen alle die Fälle, in denen zum Beispiel jemand Finnisch lernt, weil er/sie sich in einen finnisch sprechenden Menschen verliebt hat... Ist es ein Fall von intrinsischer Motivation, weil es mit Gefühlen zu tun hat? Nicht ganz: die Motivation, mit dem geliebten Menschen kommunizieren zu wollen, ist von diesem geliebten Menschen abhängig. Es ist sicher eine emotional gefärbte Motivation, die uns folglich besser tragen wird als eine rein berufliche (bei der gemischte Gefühle mitschwingen könnten…), aber sie wird auf Dauer nicht ausreichen, wenn wir die finnische Sprache als solche nicht schätzen. Wenn das Lernen bloss ein Mittel zum Zweck ist, wird jedes Interesse schwinden, sobald die Liebe (Lempi auf Finnisch…) zu Ende ist. In diesem Fall wird man vielleicht sogar eine ausgesprochene Abneigung gegenüber Finnisch entwickeln. Wir werden diese Sprache nicht einmal mehr hören wollen... So entstehen Vorurteile, die uns daran hindern, eine konstruktive Beziehung zu einer Sprache zu entwickeln, die unsere intrinsische Motivation sabotieren und Lernwiderstände verursachen. Wenn wir zehn Jahre später aus einem völlig anderen Grund gezwungen sind, Finnisch zu reden, werden wir mit erheblichen Widerständen zu tun haben. Ja, die Motivation war damals eindeutig von aussen bestimmt. Finnisch hat uns nie interessiert.

Das gleiche passiert jedem Kind, das eine mehr oder weniger begründete Abneigung gegen eine Lehrperson entwickelt. Das Fach, das durch diesen Menschen «vertreten» wird, ist mit Ambivalenz beladen. Vielleicht würden wir es mögen, aber die Lehrperson hindert uns daran, oder, wenn es das erste Mal ist, dass wir mit diesem Fach zu tun haben, werden wir es mit der Lehrperson identifizieren und keinen persönlichen Zugang dazu finden. Ich will damit nicht sagen, dass alle Menschen, die Probleme beim Lernen einer Fremdsprache haben, zuerst ungelöste traumatische Schulerlebnisse bearbeiten müssten. Obwohl... Es wäre manchmal sehr hilfreich, sei es nur, um gewisse Lernhemmungen zu überwinden, die in uns schlummern und schwer fassbar sind. So schwer fassbar, dass wir sie nicht einmal bemerken und denken – zu Unrecht – dass wir zu alt sind und unser Gehirn nicht mehr so konzentriert und aufnahmefähig ist... Es sind nicht die kognitiven Fähigkeiten, die uns fehlen, sondern der emotionale Teil, der nicht mitmachen will. Wir sollten uns damit auf mitfühlende Art befassen, um Wunden oder Missverständnisse aufzulösen. Dann können wir entspannter lernen und in Dialog mit der Fremdsprache treten.

Fazit: wir brauchen Lernmethoden, die sowohl das Rationale wie auch das Emotionale ansprechen, damit das Lernen zu einer persönlichen Erfahrung wird, die wirklich mit uns zu tun hat. Wir sollten uns ausserdem einige Gedanken über unsere bewusste und unbewusste Motivation machen. Die extrinsischen und intrinsischen Bestandteile dieser Motivation sollten uns bewusst werden und – im Idealfall – sollten wir das Intrinsische pflegen und ihm einen höheren Stellenwert geben. Dann wird Lernen wirklich mehr Freude machen und sogar inneres Wachstum fördern.