COMMUNICATION - die professionelle Sprachschule mit Herz

Freies Schreiben: ein kleiner Sprung ins kalte Wasser

 

Wenn wir unsere Sprachkenntnisse testen wollen, können wir uns mit einer kleinen, aber echten Herausforderung konfrontieren: das Verfassen von kurzen Texten ohne Hilfsmittel, das heisst ohne Wörterbuch-App, ohne Verbtabellen, einfach ohne irgendwo nachzuschlagen. Ganz allein: wir und ein Blatt Papier. Es ist nämlich besser, eine solche Übung mit der Hand zu schreiben.

Wir können ein Thema festlegen oder einfach losschreiben, eine halbe Seite mit spontanen Einfällen füllen, eine kurze Geschichte erzählen oder einen Brief an einen imaginären Freund verfassen. Jedesmal, wenn uns ein Wort fehlt, suchen wir ein Synonym, oder wir formulieren den Satz um. Wir laufen auf dem fremden Gelände und gehen Stolpersteinen aus dem Weg: das ist richtiges "Sprachjogging". Manchmal werden die Texte dadurch in die Länge gezogen, da das Umschreiben mehr Worte braucht als die genauen Bezeichnungen oder Redewendungen, die uns einfach nicht in den Sinn kommen, weil wir sie vergessen haben oder weil wir davon noch keine blasse Ahnung haben.

Es muss aber ein Spiel bleiben. Wir brauchen weder Irritation noch Frustration hochkommen zu lassen. Es geht mehr um die Neugier, herauszufinden, wieviel mit den Sprachmitteln, die wir im Moment zur Verfügung haben, ausdrücken können. Es geht auch um die eigene «Schlauheit»: welche Umwege finde ich, um trotzdem zu sagen, was ich sagen will?

Wir können unsere Texte zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anschauen und eine neue Version verfassen, diesmal mit allen Hilfsmitteln. Diese Version können wir auch unserem Sprachcoach zur Korrektur geben. Die «freien Versionen» hingegen brauchen wir niemandem zu zeigen. Sie bleiben unser Geheimnis.

Wozu eine solche Übung? Um herauszufinden, wie vertraut uns die Fremdsprache wirklich ist. Natürlich testen wir unsere Sprachgewandtheit vor allem durch mündliche Kommunikation (ja, und Selbstgespräche in der Fremdsprache sind auch eine gute Übung…), aber das Schreiben hat einige Vorteile, von welchen Zeit, Genauigkeit und Konzentration die wichtigsten sind. Beim Schreiben können wir uns Zeit lassen, nachdenken, abwägen… wir können uns mit der Fremdsprache wirklich auseinandersetzen.

Wenn wir merken, dass das Verfassen des freien Textes eine «endlose» Qual gewesen ist, sollten wir vielleicht mehr Energie in den Wortschatz investieren oder mehr lesen, damit uns der Satzbau vertrauter wird.

Und wenn einmal alles fliesst und weit und breit keine Hindernisse in Sicht sind… dann können wir mit Sicherheit sagen, dass uns die Fremdsprache nicht mehr fremd ist, sondern sich zu einer engen Freundin gemausert hat…