COMMUNICATION - die professionelle Sprachschule mit Herz

Germanismen: die kleinen Fallen des Alltags

 

Wir neigen dazu, gewisse grammatikalische Strukturen unserer Muttersprache in «unsere Fremdsprachen» zu übernehmen. Es geschieht meistens reflexartig: obwohl wir die korrekte Form eigentlich wissen (wir haben sie nämlich schon -zigmal wiederholt…) machen wir immer noch die gleichen Fehler. Wir merken sie erst im Nachhinein und denken: "Uhmm… schon wieder… wie peinlich…" Oder wir finden uns damit ab; diese Fehler sind nämlich zu einer Sorte Gewohnheit geworden. Wir stolpern vor allem über sie, wenn wir schnell reden oder müde sind. Wir brauchen uns nicht zu quälen: unsere Muttersprache prägt uns immer unbewusst. Ist es überhaupt möglich, diese «schlechte Gewohnheiten» für immer zu überwinden, die richtigen Formen so zu automatisieren und verinnerlichen, dass sie jederzeit, spontan und korrekt aus uns herausfliessen? Ich verrate euch etwas: es geschieht in den seltensten Fällen. Es geschieht nur, wenn wir in der Fremdsprache sehr viel schreiben (und natürlich Hilfsprogramme zur Sprachkontrolle installiert haben, die auch die Syntax berücksichtigen…). Es geschieht nur, wenn wir in konzentrierter Entspannung so geübt sind, dass sich kein Stress im Alltag einschleicht und wir eine immerwährende, besinnliche Ruhe bewahren können. Es geschieht nur bei Menschen, die eine Fremdsprache wirklich adoptiert haben und aus ihr ihre «neue offizielle Sprache» gemacht haben.

Wir müssen mit unserer Unvollkommenheit Frieden schliessen. Wir können trotzdem immer wieder versuchen, neue Gewohnheit einzupflanzen und eine kleine Liste der häufigsten Fallen aufstellen, sie immer wieder meditativ betrachten und uns fragen: Mache ich diesen Fehler immer noch, oder ist er in Vergessenheit geraten?

Wie könnte eine solche Liste der häufigsten Stolpersteine zwischen Deutsch und Französisch aussehen? Hier eine kleine Kostprobe. Jede/r kann sich seine "Lieblingsfehler" aussuchen und sie in eine eigene Liste zusammenfassen oder sich mal fragen: «Welches sind meine "sprachlichen Besonderheiten" im Französischen?», und sie der Liste hinzufügen.

Wir werden die Fehler nach grammatikalischen Kategorien unterteilen: Artikel, Präpositionen, Verben, Pronomen, Adjektive und Adverbien. Die meisten davon gehören zu Themen der Anfängerstufe. Wir verlieren häufig ausgerechnet die einfachsten Regeln aus den Augen. Bei schwierigen Satzkonstruktionen passen wir eher auf; bei den kleinen, alltäglichen Sätzen hingegen vergessen wir, genau hinzuschauen. 


Artikel

Je déteste le football.
(Gattungsbezeichnungen wollen einen Artikel)

Je n'ai pas d'amis chinois.
(In Negativsätzen kein Teilungsartikel, ausser wir wollen Unterscheidungen betonen: Mes amis ne sont pas des Chinois, ce sont des Coréens.)

J'ai beaucoup d'amis coréens. J'ai peu d'amis indiens. J'ai plus d'amis coréens que d'amis indiens.
(beaucoup de, peu de et plus/moins de wollen de ohne Artikel)

On se reverra mercredi. On se voit toujours le mercredi. Au revoir à mercredi!
(Mittwoch ohne Artikel bedeutet «nächsten» oder «letzten» Mittwoch, mit Artikel bedeutet es «jeden Mittwoch». « À mercredi » bedeutet nur « bis Mittwoch »)

Je bois mon café avec du lait mais sans sucre.
(Avec will Teilungsartikel, sans nicht. Aber, wenn nach sans ein Verb kommt, brauchen wir de. Je bois mon café sans y ajouter de sucre.)


Präpositionen

Je vais chez le dentiste. / Je travaille chez McDonalds.
Personenbezeichnungen und Firmennamen wollen chez statt à.)

Il y a dix ans, avant mon départ pour l'Australie…
(Il y a bezeichnet einen Zeitpunkt in der Vergangenheit, avant den Punkt vor einem Ereignis.)

On se voit dans une semaine. / On finira en trois heures maximum.
(Dans bezeichnet einen Zeitpunkt in der Zukunft, en hingegen die Zeitspanne, die man braucht, um etwas zu tun.)

Ce sac est à moi. / Marcel est un viel ami à moi.
(Besitz im weitesten Sinne will die Präposition à, ausser mit Personennamen: Marcel est un ami de Charlotte.)

Je vais en voiture, en train, à vélo et parfois à pied.
(Verkehrsmittel wollen en, wenn sie geschlossen sind, und à, wenn sie offen sind. Avec wird nie benutzt, ausser wir wollen zum Beispiel sagen, dass wir unser Velo mitnehmen, aber ohne damit zu fahren. Je vais avec mon vélo chez Marcel, qui va le réparer.)

J'ai vécu en France (pendant) dix ans. / Je vais vivre en France pour dix ans.
(pour ist eine Zeitspanne in der Zukunft; wenn wir von der Vergangenheit reden, können wir pendant benutzen. Der erste Satz kommt aber auch ohne Präposition zurecht: J'ai vécu en France dix ans.


Verben

J'ai 30 ans.
(Unser Alter sind die Jahre, die wir haben. Übrigens, wir benutzen ans für eine genaue Anzahl Jahre. Années hingegen hat mit Dauer zu tun: Pendant plusieurs années, vingt ans pour la précision...)

Je sais nager. Mais aujourd'hui je ne peux pas : j’ai eu un accident.
(Was wir können, weil wir es gelernt haben, wissen wir. Pouvoir bedeutet können, weil wir dazu die Möglichkeit oder die Erlaubnis haben.)

Catherine s'est habillée, s'est trompée, s'est assise
(Reflexivverben brauchen être als Hilfverb, deshalb muss das Partizip angeglichen werden.)

J'ai couru, j'ai nagé, j'ai skié, j'ai sauté.
(Nicht alle Bewegungsverben wollen être, manche, die eher die Art der Bewegung bezeichnen, wollen avoir.)

Ton amour me rend heureux.
(rendre bedeutet nicht nur zurückgeben, sondern auch «machen» im Sinne von «ein Gefühl oder einen Zustand hervorrufen». Zum Beispiel, on a rendu la route praticable bedeutet: Man hat die Strasse fahrbar gemacht.)

J'ai fini! / Je suis fini…
(Ich bin fertig! / Ich bin erledigt, ich bin am Ende…)


Pronomen

Tu as des enfants? Oui, j'en ai neuf! Tu prends du sucre dans ton café? Bien sûr, j'en prends neuf morceaux! / Non, je n'en prends jamais.
(Wenn es um Quantitäten geht, müssen wir bei Antworten immer den Pronomen en hinzufügen.)

Je l'aide. Je le remercie. Je le crois.
(aider, remercier, croire wollen das direkte Objekt.)

Je lui demande. Je lui téléphone, je lui parle.
(demander, téléphoner, parler wollen das indirekte Objekt.)


Adjektive und Adverbien

Le mois dernier on ne s'est pas vu. On se reverra le mois prochain.
(dernier et prochain folgen der Zeitangabe, wenn sie «vergangen» bzw. «nächsten» bedeuten.
Das gilt für fois - Mal - nicht: La dernière fois on a oublié… La prochaine fois on se souviendra!)

Il court autant que moi. Il est aussi rapide que moi. Il est rapide comme un train.
(Bei der Vergleichsform im Positiv wird der zweite Teil mit que eingeführt. Comme drückt keine eigentlichen Vergleiche, sondern eher Ähnlichkeiten oder Parallelismen aus.)

Personne ne vient jamais ! Ils n'ont aucune envie de venir…
(Personne, jamais, aucun brauchen ne aber verzichten auf pas.)