COMMUNICATION - die professionelle Sprachschule mit Herz

Wieviel Grammatik brauche ich und wie lerne ich sie?

 

Wieviel Grammatik brauche ich? Die Antwort ist selbstverständlich: Es kommt darauf an. Wie hoch sind meine kommunikativen Ansprüche? Muss ich ein breites Spektrum von verschiedenartigen Situationen bewältigen? Wie komplex sind die Informationen, die ich in der Fremdsprache mitteilen muss? Ohne ein Wissen über die Art, wie die Fremdsprache funktioniert, bliebe ich ein wenig benachteiligt, weil rein praxisbezogene Sprachmittel mir zwar erlauben, mich in bestimmten Situationen zu orientieren, aber sie engen auch meinen Horizont ein. Wenn eine unvorhergesehene Situation auftaucht, bin ich ratlos. Wenn ich nur die Situation: «Mit Kunden am Telefon kommunizieren» beherrsche, kann ich in der Fremdsprache zwar funktionieren, aber diese Sprache wird nie Teil meiner Erfahrung der Welt werden, weil ich von ihr nicht genug erfahre. Nehmen wir an, dass plötzlich eine Begegnung stattfindet, die mich herausfordert: jemand will von mir Dinge erfahren, die ausserhalb meines üblichen Umgangs mit der Fremdsprache stehen. Ich werde mich in dieser Situation nicht so mitteilen können, wie ich gerne hätte.

Was hat das mit Grammatik zu tun? Einiges, weil ich mich nur wirklich frei ausdrücken kann, wenn ich einen breiten Überblick über die Strukturen einer Sprache habe und sie auch einigermassen beherrsche. Die Arbeit mit situationsbezogenen Sprachmitteln und Szenarien ist die praktische Basis, um konkret zu funktionieren und den verschiedenen Anforderungen des Alltags und der Berufswelt gewachsen zu sein, aber, um «alles zu sagen, was ich will», reichen sie nicht aus.

Soviel zum Thema "Werbung für Grammatik"… Aber wie lernen wir Grammatik am wirksamsten? Ist Grammatik nicht etwa nur für Menschen, die sich gewohnt sind, abstrakt zu denken? Ja und nein. Grammatik könnte auch für Menschen, die sich gerne handwerklich betätigen, eine Option sein. Es geht schliesslich um «Mechanik»; auch wenn hier nicht alles so reibungslos wie bei einem Motor funktioniert. Grammatik bleibt nämlich trotz allem etwas Lebendiges und Wandelbares, das sich in einer ständigen Evolution befindet und sich dem Zeitgeist anpasst. Die zahlreichen Sprachreformen zielen auch (manchmal…) darauf hin, die Sprache den Gewohnheiten der Anwender anzupassen.

Grammatik ist eigentlich ein riesiges Baukastenspiel mit Variationen. Wenn wir induktiv arbeiten, also von Beispielen ausgehen und daraus Regeln ableiten, können wir auf eine lebendige Art Grammatik erfahren. In vielen Fällen müssen wir uns von der Art loslösen, wie wir in der Schule die Grammatik unserer Muttersprache gelernt haben. In anderen Fällen wird hingegen die (positive) Schulerfahrung die Basis sein, auf der wir aufbauen können. Grammatik können wir am Anfang nicht allein lernen. Es wäre zu langweilig und schwerfällig, mit trockenen Grammatikbüchern zu hantieren. Falls wir hauptsächlich mit Texten arbeiten, können wir am Anfang die Regeln nicht erahnen - es sei denn, wir sind sehr routiniert und kennen schon eine gewisse Anzahl Fremdsprachen.

Am Anfang müssen wir mit unserem Sprachcoach anhand von Sätzen arbeiten, um aus den Sätzen Strukturen abzuleiten. Mustersätze und Variationen dieser Mustersätze sind die besten Gedächtnisstützen:

  • Si j'avais le temps, je le ferais.
  • Se avessi tempo, lo farei.
  • Si tuviera tiempo, la haría.
  • (Wenn ich Zeit hätte, würde ich es tun.)

Sätze wie diese sind relativ einfach zu merken und verdeutlichen die Strukturen, ohne zu viele Elemente zu enthalten, die uns ablenken. Es sind ausserdem Sätze, die jeder im Alltag (mindestens einmal…) benutzt hat. Natürlich geht es nicht unbedingt darum, eine endlose Liste von Mustersätzen auswendig zu lernen. Es geht mehr darum, eigene Sätze nach diesen gleichen Mustern zu bilden und sie so oft wie möglich in die eigene Kommunikation zu integrieren.

Schematische Darstellungen können natürlich auch helfen, falls wir sehr räumlich-visuell veranlagt sind. Aber Schemas reichen nie aus, um sich eine Struktur einzuverleiben. Wir müssen beobachten können, wie "die Maschine" funktioniert, deshalb so viel wie möglich lesen, die Strukturen erkennen und sie am Werk erkennen. Das Hörverstehen ist am Anfang für die Erfassung von Strukturen nicht so geeignet. Hörverstehen ist vor allem ideal, um Vokabular, Redewendungen und Chunks zu erkennen. Wir können nur mit der Zeit lernen, aus einer mündlichen Mitteilung eine grammatikalische Struktur "herauszupicken".

Grammatik erfordert das geschriebene Wort, das sich nicht so schnell verflüchtigt… Deshalb ist das selbstständige Schreiben die beste Methode, um Grammatik zu üben. Aber auch das Spielerische kommt bei Grammatik nicht zu kurz: es hat eine grosse Anzahl von kombinatorischen Spielen, die unterhaltsamer als traditionelle Übungen sind.