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Italienische Redewendungen und ihre deutschen Verwandten

 

Redewendungen im Italienischen und Deutschen weisen erstaunliche Ähnlichkeiten auf, wenn wir von ein paar aufsehenerregenden Ausnahmen absehen, worauf wir noch zu sprechen kommen.

Trotzdem sind die Ausdrücke in den zwei Sprachen zwar ähnlich, aber auch immer ein wenig anders…

Manchmal können wir sogar die Ausdrücke wörtlich übersetzen, und wir haben eine Variante der Redewendung, die auch gebraucht wird, wie im Falle von «avere le mani bucate», d.h. «Geld zum Fenster hinauswerfen». Die Variante, die dem Deutschen wörtlich entspricht, ist «buttare i soldi dalla finestra». Sie ist auch in Gebrauch, aber die erste, d.h. «Hände mit Löchern haben», ist häufiger.

 

fare colpo

Das heisst «beeindrucken» oder «Eindruck schinden», wörtlich «Schlag machen» Die wörtliche Übersetzung ist in diesem Falle ein wenig irreführend… «Fare colpo» ist immer positiv: «Hai fatto colpo su di lui!» (Er ist total beeindruckt von dir!)

 

in un batter d'occhio

Das heisst «im Handumdrehen», wörtlich «in einem Augenaufschlag», also wirklich schnell…

 

gettare la spugna

Das heisst «das Handtuch werfen». Der Ausdruck ist praktisch gleich, das Handtuch wurde durch einen Schwamm ersetzt, obwohl «spugna» auch «Frotteetuch» bedeuten könnte… In beiden Fällen gehört diese Metapher eindeutig zur Welt der Boxkämpfe.

 

non sarà una passeggiata

«Es wird kein Honiglecken sein», wörtlich «Es wird kein Spaziergang sein». Diese Variante ist auch im Deutschen vorhanden. Ausdrücke mit «Honiglecken» haben wir hingegen im Italienischen leider nicht… «Non sarà una leccata di miele…» tönt sehr surreal…

 

prendere per oro colato

«Etwas für bare Münze nehmen», wörtlich «für gegossenes Gold nehmen». Wieder sehr, sehr ähnlich…

 

venire al dunque

Es bedeutet «zur Sache kommen». «Dunque» ist im Italienischen ein Adverb mit mehreren Bedeutungen, meistens «also, folglich». In diesem Ausdruck wird es zum Substantiv, aber eben nur in diesem Ausdruck…

 

prendere alla leggera

«Auf die leichte Schulter nehmen»: schon wieder sehr ähnlich. Im Italienischen haben wir aber die Schulter vergessen, so dass wir nicht genau wissen worauf sich diese «leggera» («leichte», Adjektiv, weiblich) bezieht…

 

ce l'ho sulla punta della lingua…

«Es liegt mir auf der Zunge…». Es sind wieder zwei nahe Verwandte, aber im Italienischen ist es viel präziser: es geht um die «Zungenspitze» (la punta della lingua).

 

trovarsi tra l'incudine e il martello

«In einer Zwickmühle sein». Im Italienischen ist dieser Ausdruck viel stärker, fast unheimlich: «zwischen Amboss und Hammer sein». Es wird auch im Deutschen gebraucht, aber weniger häufig als «in der Zwickmühle sein».

Anscheinend bezieht sich dieser Ausdruck auf das Mühlespiel. Duden sagt: «Zwickmühle: Stellung der Steine, bei der man durch Hin- und Herschieben eines Steines jeweils eine neue Mühle hat», im übertragenen Sinne eine «verzwickte Lage, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint.»

Dafür haben wir im Italienischen keine Entsprechung, aber wir kennen auch «verzwickte Lagen» («situazioni ingarbugliate»)…

 

non sentir volare una mosca

«Eine Stecknadel fallen hören»; im Italienischen wird es zu «nicht einmal eine Fliege fliegen hören».

 

dare buca / fare il bidone (pop.)

“Einen Korb geben», wörtlich «ein Loch geben / eine Tonne machen». Wir kennen auch das Verb «bidonare» für «sitzen lassen» oder «reinlegen».


fare lo struzzo

«Den Kopf in den Sand stecken» wie ein Strauss eben… Im Italienischen ist es viel klarer: «den Strauss machen (=spielen)».

Wir kennen im Italienischen noch ein paar nette Ausdrücke, die den Strauss ins Spiel bringen: «Avere un stomaco da struzzo» = «einen eisernen Magen haben» und «fare la politica dello struzzo» = «eine Vogel-Strauss Politik betreiben».

 

stare con le mani in mano

«Die Hände in den Schoss legen». Diese zwei Ausdrücke sind wieder sehr ähnlich. Das Italienische bedeutet wörtlich «Mit den Händen in der Hand bleiben».

Die wörtliche Übersetzung des Deutschen: «mettere le mani in grembo» ist auch möglich, hat aber nicht die gleiche Färbung; sie deutet eher auf eine Geste der inneren Ruhe oder des würdevollen Wartens, die Nuance des (verwerflichen?) Nichtstun ist völlig abwesend.

 

avere carta bianca

«Freie Hand haben» wird zu «ein weisses Blatt haben», also keiner Einschränkung durch schriftliche Verträge oder Ähnlichem ausgesetzt zu sein.

 

di punto in bianco

«Hals über Kopf, kurzerhand». Das Italienische ist fast unübersetzbar, man könnte sagen: «Wie ein Punkt auf weissem Hintergrund», also eine plötzliche, unvorhersehbare kleine Handlung, die alles verändert…

 

non sapere dove sbattere la testa

«Weder ein noch aus wissen», wörtlich «nicht wissen, wo man den Kopf schlagen muss»…

 

è acqua al suo mulino

«Es ist ein gefundenes Fressen für ihn», wörtlich «es ist Wasser für seine Mühle».

 

svegliarsi con la luna di traverso

«Mit dem falschen Fuss aufstehen», wörtlich «mit einem schiefen Mond aufstehen». Aber wir kennen auch die gleiche Version wie im Deutschen: «alzarsi con il piede sbagliato».

 

sputare il rospo

«Ausspucken» (aussprechen, was man verheimlichen wollte): das Deutsche hat die Kröte (il rospo) vergessen…

Dafür kennen wir beide «eine Kröte schlucken» = «ingoiare il rospo».