COMMUNICATION - die professionelle Sprachschule mit Herz

Kreatives Schreiben zur Sprachförderung

Kreatives Schreiben im Sprachunterricht unterscheidet sich vom kreativen Schreiben, das wir in einer Schreibwerkstatt für Selbsterfahrung oder für angehende Schriftsteller/Innen praktizieren würden. Das Ziel ist in unserem Falle nicht primär den Selbstausdruck oder das sprachliche Gestalten von Inhalten, die für uns eine besondere Bedeutung haben und die wir teilen möchten. Das Ziel wird eher sein, die persönliche Beziehung zur Fremdsprache zu fördern und mit Sprachstrukturen und Wortschatz zu spielen. Wir werden aber auch die Freiheit erleben, etwas zu schreiben, das ausserhalb der üblichen Grenzen des «Lernens nach Lehrbuch» liegt.

Auch bei Menschen, die das Lesen und Schreiben nicht besonders mögen, kann das Schreiben von kleinen, freien Texten, zum Beispiel Kurzgeschichten von wenigen Zeilen – im angelsächsischen Raum wird das flash fiction genannt – eine gewisse Genugtuung hervorrufen.

Sprachspiele sind bestens dafür geeignet, den oft hemmenden Respekt vor dem geschriebenen Wort abzubauen. Durch Wortspiele (wie zum Beispiel Alliterationen) wird nicht nur die Sprachgewandtheit trainiert, sondern wir entdecken auch die kindliche Freude, mit der Sprache frei umzugehen. Alliterationen sind Sätze, Wortketten oder Verse, in denen der gleiche Laut sehr häufig vorkommt (so etwas wie: „flauschige Geflechte und fliessende Flut von Flecken usw. …“ na ja… es ist nur ein Beispiel…)

«Kreativschreiben ist gekennzeichnet durch eine auffallend angstfreie Atmosphäre; dies stellt eine ausserordentlich günstige Bedingung für spielerisches Erproben der eigenen sprachlichen Möglichkeiten und Grenzen dar. Eine auf Fehlervermeidung bedachte Haltung führt in der Regel zwar zu korrektem Sprachgebrauch, verlangsamt aber gleichzeitig den Spracherwerb in der Fremdsprache. Kreatives Schreiben und sinnvolles Üben stellen nicht per se Gegensätze. (...) Ähnliches gilt für das Verhältnis zwischen Kreativem Schreiben und Grammatik: Beide Aktivitäten sind in Wechselwirkung aufeinander bezogen. Kreatives Schreiben steht am Anfang, bedarf aber der Ergänzung und Vertiefung durch Reflexion über grammatikalische Redemittel.» [G. Pommerin, in J. Wolfrum, «Kreativ schreiben» Huber Verlag 2010]

Kreatives Schreiben ist nicht nur für Mittelstufe und Fortgeschrittene geeignet. Kursteilnehmer können mit Hilfe weniger, einfacher syntaktischer Muster und mit einem geringen Wortschatz relativ schnell kleine, geschlossene und aussagekräftige Texte produzieren. Die nachfolgende Korrektur der Texte durch den Sprachcoach muss als Hilfe angesehen werden, um sich der eigenen sprachlichen Möglichkeiten bewusst zu werden. Die Anzahl Fehler spielt an sich keine grosse Rolle, wichtig ist die Freude an der Handhabung des Werkzeugs Sprache.

Ausserdem ist dieses Fördern der Schreibmotivation insbesondere für Teilnehmer wichtig, die in der Fremdsprache schreiben müssen (sei es nur Mails… auch Mails sind Texte!)

Das Reproduzieren von vorgegebenen Mustern kann eine Vorstufe des eigentlichen kreativen Schreibens sein. Man kann in diesem Sinne Texte verfremden: wir behalten die Satzstruktur aber ändern die Wörter, oder wir schreiben Variationen eines Textes.

Durch verschiedenartige Schreibanregungen (Worte, Bilder, Musik) wird die kreative Motivation gelenkt, so dass auch Anfänger Orientierung erhalten und nicht ratlos steckenbleiben.

Die einfachste Ebene des kreativen Schreibens besteht darin, Textbausteine ("chunks"), die schon bekannt sind, auf eine neue, persönliche Art zu kombinieren. Auch das Beantworten von Fragen ist schon die erste Stufe des freien Schreibens.

Assoziativ schreiben bedeutet, eine gewisse Autonomie im Selbstausdruck zu entwickeln: Wir trauen uns, in der Fremdsprache zu imaginieren.

Wir müssen am Anfang natürlich aufpassen, uns nicht zu überfordern. Falls wir Ereignisse schildern wollen, müssen die Sachverhalte nicht übermässig komplex sein, sonst verlieren wir die Kontrolle über den Text, der dann wuchert und leicht unverständlich wird.

Andere mögliche Anregungen zum Schreiben können Schreibanfänge darstellen. Um den Einstieg zu erleichtern, kann der erste Satz des Textes vorgegeben werden. Wie wäre es mit diesem Satz: «Longtemps, je me suis couché de bonne heure.»? Es ist der erste Satz eines sehr, sehr langen Romanzyklus («La Recherche du temps perdu» von Marcel Proust). Aber wir bevorzugen natürlich die kurze Form… und jede/r kann von dieser einfachen Situation ausgehen (lange Zeit früh zu Bett gehen) und einen kurzen Text entstehen lassen.

Die Möglichkeiten für kreatives Schreiben sind praktisch unerschöpflich. Es braucht nur den Mut, sich zu trauen, mit der Fremdsprache zu experimentieren.