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Sprachspiele: Spiele mit Wortschatz und Minitexten

 

Kettenreaktion

Das ist ein Spiel, das man allein oder in einer Gruppe spielen kann.

Wir fangen mit irgendeinem Wort an, das nächste Wort wird mit den 2 oder 3 Endbuchstaben des ersten Wortes begonnen, oder – wenn wir präziser sein wollen oder die Worttrennung üben – mit der letzten Silbe. Aber es muss nicht sein, da manche Silben am Anfang eines Wortes nur selten vorkommen.

Nehmen wir an, wie wollen auf Französisch spielen. Unsere Kettenreaktion sieht zum Beispiel so aus (wir beachten die Orthografie aber wir können die Akzente ignorieren):

exemple - plénitude - tour - ourson - sonnette - léphérique - question - ondusionioni - sentiment - entourage - geste - …………….

Wir machen weiter, bis es uns langweilig wird…

Zu diesem Spiel gibt es auch eine Version für Leute, die ihren Wortschatz auf Deutsch üben wollen, oder für Lernende von Sprachen, die Wörter zusammensetzen. Wir nehmen ein zusammengesetztes Wort, das uns gerade einfällt oder das wir in einem Text gefunden haben, zum Beispiel "Waldrand". Wir lassen das erste Glied - Wald - fallen und nutzen das zweite Glied - Rand - um eine neue Zusammensetzung zu bilden: zum Beispiel Randerscheinung. Wir wiederholen den Vorgang:  Erscheinungsjahr – Jahrestag – Tagtraum – Traumdeutung – Deutungsversuch – Versuchskaninchen - Kaninchenfell... Und wir schauen, wie weit wir kommen… Durch diese Übung entdeckt man die enormen Möglichkeiten der Wortzusammensetzung.

Man kann auch mit erfundenen Wörtern spielen, oder mit Wörtern, von denen man nicht sicher ist, ob sie existieren oder nicht. Wenn man die Kette aufschreibt, kann man später im Wörterbuch nachschauen, um herauszufinden, welche Wörter tatsächlich existieren... Hätte ich zum Beispiel nach «Kaninchenfell» noch «Fellhaut» gesagt, hätte ich ein neues Wort gehabt; ein Wort, das durchaus Sinn macht, aber (noch) nicht im Sprachgebrauch ist. Das sind die Grenzen der zusammengesetzten Wörter: alle Zusammensetzungen sind theoretisch denkbar, aber nur eine minimale Anzahl davon ist auch «erlaubt und anerkannt»…

 

Familienforschung

Wir nehmen ein beliebiges Wort und suchen seine Verwandten, und zwar so viele wie möglich.

Nehmen wir «acqua» (Wasser): acquoso- acquitrino – acquedotto – acquerello –acquaforte – acquaplano – acquaio – acquamarina – acquavite – acquazzone – acquario… [wässrig – Sumpf – Äquadukt – Aquarell – Radierung – Wasserski – Spülbecken – Aquamarin – Schnaps – Platzregen – Aquarium…]

Wir können einen Blick in das Wörterbuch werfen, wo wir alle Wörter finden können, die "acqua" enthalten.

Eine solche Übung hilft nicht nur den Wortschatz zu erweitern, sondern auch Wörter bewusster wahrzunehmen.

 

Baukasten-Geschichte

Wir nehmen einen kurzen, banalen Satz und bauen ungefähr zehn Sätze sinnvoll darauf auf, indem wir die letzten Worte eines Satzes in den nächsten Satz einfliessen lassen.

Machen wir ein Beispiel auf Französisch:

"Aujourd'hui commence le printemps.

Le printemps est la saison que tout le monde fait semblant d'aimer.

Aimer une saison plutôt qu'une autre veut dire choisir inconsciemment d’être plus ou moins malheureux pendant le reste du temps.

Le temps est d'ailleurs un thème qui ne rend pas les gens très heureux.

Le bonheur de voir le temps passer n'est pas un passe-temps très répandu.

Ce qui est plus répandu, c'est l’horreur du temps qui passe et le regret de n'arriver jamais à l'attraper.

On veut l’attraper comme s’il était une créature évanescente derrière laquelle nous sommes forcés de courir.

Tout le monde court et s'affole pour arriver à temps à une gare quelconque, par peur de rater le train

On oublie souvent qu'il y a un train qu'on ne rate jamais.

Malheureusement, c'est le seul que, dans la plupart des cas, on ne voudrait jamais prendre..."

Es ist keine grosse Literatur, aber dank dem Trick der Wiederaufnahme von Wörtern oder deren Variationen entstehen Texte, die ohne grosse Mühe fliessen.

 

Abecedarium

Wir wählen ein Thema aus und nennen zu jedem Buchstaben des Alphabets ein Stichwort, das zum Thema gehört.

"Beim Thema Schreiben, "écrire", könnte das so aussehen:

A - auteur, B – brouillon (=Rohfassung), C - chaos, D - don, E - expression, F - folie, G – grasse matinée (=spät aufstehen), H - hibernation, I - inspiration, J - jeu, K - kifer (Spass haben), L - logique, M - manuscript, N - note, O - omnivore, P - peur, Q - qualité, R - recherche, S - style, T - texte, U - univers, V - verbe, W – weltanschauung (ja, dieses Wort existiert tatsächlich auch im Französischen…), Z – zigzaguer (=sich schlängeln).

Der nächste Schritt könnte sein, für jedes Wort einen Satz zu bilden. Daraus entsteht leicht ein Minitext zum Thema «Schreiben», den wir beliebig erweitern und vertiefen können.

(Einige dieser Spiele - und vor allem deren schöne Namen – stammen aus: Monika Hoffmann: "Besser Schreiben für Dummies", Wiley Verlag, 2017, ein empfehlenswertes Handbuch über das Verfassen von verschiedenen Textsorten auf Deutsch.)