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Szenario-basiertes Lernen

 

Das sogenannte "Szenario-basierte Unterrichten" ist eine Methode, die aus dem Bedürfnis heraus entstand, KursteilnehmerInnen so schnell wie möglich "handlungsfähig" zu machen, damit sie sich in konkreten Situationen orientieren und angemessen reagieren können. Sie wird heute vor allem in Integrationskursen für Migranten praktiziert. Aber sie kann überall zum Einsatz kommen, wo das Lernen einer Fremdsprache auf ein klar umgrenztes Gebiet ausgerichtet ist, wie zum Beispiel Kontakte mit Kunden oder Patienten, Gastrobetriebe, Baubranche, Handelsreisen und jede Situation, wo die Kommunikation nach einigermassen voraussehbaren Mustern verläuft.

Diese Methode erfordert von den Teilnehmern eine aktive Zusammenarbeit, da das Ziel unter anderem die "Ko-Kreation" von Dialogen ist. Es geht nicht nur darum, anhand von vorgefertigten Chunks und deren Variationen zu üben, sondern um das gemeinsame Aufbauen von Lerneinheiten. Die Kursleitung steuert selbstverständlich den Prozess, der je nachdem relativ zeitaufwendig sein kann, dafür aber den Teilnehmern das Gefühl vermittelt, für die Gestaltung des eigenen Lernens mitverantwortlich zu sein.

Das Szenario-basierte Unterrichten ist in mehrere Phasen unterteilt:

Zuerst wird das Handlungsfeld analysiert. Ein Handlungsfeld bezeichnet einen wichtigen Lebensbereich im Alltag. Beispiele für Handlungsfelder sind: Arbeitsleben, Medien, Verkehr, Gesundheit oder Wohnen. Jedes Handlungsfeld umfasst jeweils eine Anzahl von häufigen Situationen: das sind die Szenarien. Die Teilnehmer entscheiden, welche Situationen für sie relevant sind.

Ein Szenario beschreibt eigentlich eine Serie von sprachlichen Handlungen, welche zu einem bestimmten Ziel hinführen. Um die Situation zu bewältigen, wird je nachdem auch externes Material benötigt (Formulare, Mails, Prospekte, Preislisten, Webseiten, Dokumente, usw.). Auch dieses Material gehört zum Szenario und muss zuerst gesammelt werden, damit es bereitsteht.

Die zweite Etappe ist die Szenariobeschreibung; sie liefert eine Darstellung des voraussichtlichen Ablaufs der einzelnen Handlungsschritte (die Phasen der kommunikativen Situation). Die Handlungsschritte werden ihrerseits in kommunikative Aufgaben unterteilt, und für jede kommunikative Aufgabe werden Kann-Beschreibungen aufgestellt, welche die sprachlichen Kompetenzen auflisten, die für die Bewältigung der Aufgabe notwendig sind.

Jedes Szenario ist also in Handlungsschritte unterteilt. Jeder Handlungsschritt umfasst eine oder mehrere kommunikative Aufgaben. Die Szenariobeschreibung wird in der Lerngruppe diskutiert. Die Teilnehmer teilen ihre Erfahrungen und die Schwierigkeiten, die aufgetaucht sind, falls sie die Situation schon erlebt haben. Wenn die Situation neu ist, können Erwartungen in Bezug auf Ergebnisse und mögliche Probleme diskutiert werden.

Im nächsten Schritt wird besprochen, welche Ressourcen (Wissen um Abläufe und Zusammenhänge, Wortschatz, Sprachstrukturen...) für die kommunikativen Situationen notwendig sind, über welche dieser Ressourcen die Lernenden bereits verfügen und welche ihnen noch fehlen. Auf dieser Grundlage werden die Lernziele für das Szenario gesetzt und auf einem Lernzielblatt festgehalten.

Die einzelnen Dialoge, die zum Szenario gehören, werden in der Gruppe konstruiert. Die Rolle der Kursleitung ist, den Prozess zu steuern und bei der Formulierung der Sätze zu helfen. Zu einem Szenario gehören auch Redemittel, d.h. Wortschatz, Redewendungen und Chunks. Sie werden auf dafür konzipierten Blättern festgehalten. Dafür kommen einige mögliche Vorlagen in Frage: eine einfache Liste mit Übersetzungen, eine Liste mit Erklärungen in der Fremdsprache, eine Liste mit Beispielen, ein Wortigel oder Mindmap oder Blätter mit einer Kombination von Wörtern und Bildern.

Nachdem die Szenarien entworfen worden sind, werden sie geübt, vor allem mit Rollenspielen. Am Ende werden die Teilnehmer alle Blätter und Unterlagen, die zum Szenario gehören, in einer Lerndokumentation sammeln. Das Szenario sollte idealerweise auch in der Wirklichkeit auf die Probe gestellt werden. Daraus können sich Korrekturen oder Ergänzungen an den Dialogen ergeben, falls Teilnehmer interessante Varianten des Szenarios in ihrem Alltag erlebt haben.

Der letzte Schritt, nachdem das Szenario geübt und verinnerlich wurde, ist die Selbstbeurteilung. Die Kursleitung kann eine Checkliste anhand der Kann-Beschreibungen verfassen. Die Teilnehmer können dann entscheiden, ob sich das Szenario in der Wirklichkeit bewährt hat, ob sie alles, was in den Kann-Beschreibungen enthalten ist, auch tatsächlich können oder welche Lernlücken sie bei sich noch festgestellt haben. Zur letzten Etappe können auch Übungen gehören, in welchen die sprachlichen Strukturen, die zur Bewältigung des Szenarios gehören, geübt und geprüft werden.

Szenario-basiertes Unterrichten ist am Anfang relativ aufwendig, und die Ko-Kreation von Lerneinheiten in der Lerngruppe anspruchsvoll; nicht zuletzt, weil es sich auch um einen gruppendynamischen Prozess handelt. Das setzt eine starke Motivation von beiden Seiten voraus. Andererseits ist diese Methode ideal, wenn keine geeigneten Lehrmittel zur Verfügung stehen, was vor allem im Bereich der Technik (Produktsupport, Reparaturen, usw.) oft der Fall ist.

Wer weitere Informationen über das Szenario-basierte Unterrichten und konkrete Beispiele für Lerndokumentationen mit Kann-Beschreibungen, Lernmittelblättern und Musterdialogen möchte, kann sich gratis auf der Webseite der FIDE (die Koordinationsstelle für Integrationskurse in der Schweiz) anmelden und Zugang zu einer umfangreichen Sammlung von Szenarien haben.